Hirschberger Vorträge zur Heimatkunde 2011:
Höfische Jagd stieß auf großes Interesse

Volles Haus im Gasthof Cramer: Referent Dr. Rudolf Fidler aus Werl brachte den zahlreichen Zuhöreinnen und Zuhörern der "Hirschberger Vorträge zur Heimatkunde" die Hirschberger Jagdgeschichte nahe.
Ganz offensichtlich fühlen sich die Hirschberger dem Thema Jagd besonders verbunden, denn bis auf den letzten Platz besetzt war der Saal des Gasthofs Cramer, als Dr. Rudolf Fidler aus Werl am Dienstag, dem 15. März über das Thema "Höfische Jagd im Arnsberger Wald zur Zeit des Barock" sprach. Zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer waren auch aus den Nachbarorten nach Hirschberg gereist, vor allem solche, die mit Forst und Wald zu tun hatten. Einem kritischen Publikum stand der Referent also gegenüber, das ihn bei allzu speziellen Details zur Jagdausübung auch gern unterstützte. Dr. Fidler schlug einen großen Bogen vom letzten Arnsberger Grafen, der 1368 seine Grafschaft an den Erzbischof von Köln verkaufte hatte, sich aber ausdrücklich das Recht in seinen Wäldern zu jagen vorbehalten hatte, hin zu den Kölner Erzbischöfen, die in Hirschberg ein Jagdschloss errichten ließen, in dem auch der oberste Forstbeamte seinen Sitz hatte. Von hier aus wurden die jagdlichen und forstlichen Angelegenheiten im Herzogtum Westfalen geregelt. Besonderer Schwerpunkt des Vortrages war die Jagd in der Zeit des Barock, in der sich die höfische Pracht mit einem ungeheuren Aufwand an Mensch und Material auch im Jagdwesen entfaltete. Die Jagd, so betonte Rudolf Fidler, diente auch dazu, den weitgehend entmachteten Adel zu beschäftigen und ihm ein besonderes Standesgefühl zu vermitteln. So konnte es nicht verwundern, dass man in der Zeit der Aufklärung dieser Art der Jagd in besonderem Maße skeptisch gegenüber stand; verursachten diese aufwändigen Jagdvergnügen doch vor allem eines: hohen Aufwand und hohe Kosten. So endete mit der Säkularisation nach 1802 auch die Zeit der großen Jagdvergnügen im Arnsberger Wald. Das Hirschberger Schloss wurde abgebrochen, das Hirschberger Tor nach Arnsberg gebracht.
Nach dem Vortrag gab es noch eine muntere Diskussion zwischen dem Referenten und seinen Zuhörern, anschließend Fachsimpelei im kleinen Kreis. Stefan Enste, Vorsitzender des veranstaltenden Vereinsrings Hirschberg e.V. bedankte sich beim Referenten und bei den zahlreichen Interessierten. Dieser Abend machte deutlich, dass das Thema Jagdgeschichte in Hirschberg noch weitere Beachtung verdient, vielleicht sogar ein Aufhänger für den Tourismus sein könnte, denn auch im Wald hat die barocke Jagd ihre Spuren hinterlassen.
Beim nächsten Vortrag der Reihe "Hirschberger Vorträge zur Heimatkunde" am Dienstag, dem 5. April, wird sich Franz-Josef Gröblinghoff mit Hirschberg vor 300 Jahren befassen, mit den Namen und Berufen der Einwohner und mit vielen interessanten Details, die ihm bei seiner langjährigen Erforschung der Hirschberger Hausgeschichten begegnet sind.